Heute wurde am Bayerischen Obersten Landesgericht der Prozess gegen Martin Wiese und drei weitere Neonazis eröffnet. Während Wiese dem Rat seiner Anwältin Anja Seul gefolgt ist und die Aussage verweigert hat, hat sein Mitangeklagter Alexander Mätzing einige Aussagen gemacht.
a.i.d.a. Archiv München Posts
Dieser Artikel ist im Winter 2004/2005 in der Ausgabe #19 der antifaschistischen Zeitschrift Lotta erschienen.
Auf "Volksfront"-Kurs
Ein Überblick über neofaschistische Aktivitäten in München/Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Oberpfalz.
Im "Freistaat" Bayern, wo es nach dem von Franz- Josef Strauß vorgegebenen und von Edmund Stoiber wiederholten Dekret "keine Partei rechts von der CSU" geben darf, machen neofaschistische Aktivitäten seit Jahrzehnten bundesweit und international Schlagzeilen.
Sei es die "Wehrsportgruppe Hoffmann" unter Karl-Heinz Hoffmann, deren Mitglied Gundolf Köhler 1980 zwei Bomben am Eingang des Münchner Oktoberfests zur Explosion brachte (13 Tote, 200 Schwerverletzte), sei es der 5.000-köpfige Großaufmarsch gegen die Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht" am 1. März 1997 in München, oder seien es die Planungen der Neonazis um Martin Wiese, die Grundsteinlegung für das neue jüdische Gemeindezentrum in München am 9. November 2003 mit einem Sprengstoff- oder Handgranatenattentat zu verhindern. Die Entwicklung und Aktivitäten neonazistischer Strukturen in der Landeshauptstadt München, den bayrischen Bezirken Oberbayern, Niederbayern, Schwaben und Oberpfalz sind jedoch weder im Fokus des bayerischen Innenministeriums unter Günther Beckstein (CSU), noch sind sie oft selbst aktiven AntifaschistInnen mehr als bruchstückhaft bekannt.
Zum Jahrestag der Reichspogromnacht 1938 am 9. November hatte die neonazistische „Kameradschaft München“ eine Kundgebung in der Fußgängerzone angemeldet. Das Kreisverwaltungsreferat untersagte diese Veranstaltung, genehmigte diese aber für den darauffolgenden Tag. Rund 15 Neonazis versammelten sich trotzdem am 9.11. am Goetheplatz.
Am 10. November hielten dann 15 überwiegend jugendliche Neonazis – darunter Norman Bordin, Roland Wuttke und Hayo Klettenhofer – in der Münchner Fußgängerzone eine Mahnwache gegen „Polizeiterror“ und anderes ab.
Am 22. Oktober 2004 finden in München Protestaktionen gegen die „Traditionspflege“ der Gebirgsjäger anlässlich der Jahreshauptversammlung des „Kameradenkreis der Gebirgstruppe“ in München statt.
Rund 2.500 Neonazis aus ganz Europa haben sich zum 16. Todestag des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß beim diesjährigen Aufmarsch in der bayerischen Kleinstadt Wunsiedel eingefunden.
Rund 30 Neonazis demonstrierten bei einer Mahnwache anläßlich des Todestages des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß in München.
Mehr darüber hier.
17. August 2004: MÜNCHEN. Rund 30 Neonazis, darunter Mitglieder der sogenannten Kameradschaft München (ehemals Aktionsbüro Süd) und NPD-Mitglieder halten eine Mahnwache am Richard-Strauß-Brunnen in der…
Die aktuelle Ausgabe der antifaschistischen Zeitschrift Lotta hat sich diesmal ein Thema gewählt, das sowohl für Bayern als auch bundesweit und international von Bedeutung ist: die alljährliche Mobilisierung der alten und neuen Nazis zum Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß.
Bereits zum vierten Mal mobilisieren Neonazis zum Gedenken an den Hitler-Stellvertreter Rudolf Heß für den 21. August nach Wunsiedel. Der sogenannte „Rudolf-Heß-Marsch“, der vor vier Jahren zum ersten Mal direkt in Wunsiedel stattfand, weitet sich zunehmend zu einem internationalen Neonazi-Treffen aus.
Ein Bündnis aus VVN und Antifa-Gruppen ruft für denselben Tag zu Gegenaktivitäten auf.
Wie indynews.net berichtet, soll die Veranstaltung des neurechten Institut für Staatspolitik nun doch stattfinden. Statt des ursprünglich angekündigten Veranstaltungsortes Löwenbräukeller wird der „Kongress“ nun allerdings demnach im Burschenschaftshaus der Danubia München in der Möhlstraße 21 abgehalten.
Wie der Antifaschismus-Referent des AStA der Uni München, Hans-Peter Reischl vermeldet, ist der für Sonntag, 25.7.2004 im Löwenbräukeller geplante Kongress des neurechten Institut für Staatspolitik abgesagt worden.
Die neue Ausgabe des Antifa Info-Blatt (#63) hat sich als Schwerpunkt mit dem Titel „Antifa 2004“ die Antifa-Bewegung herausgegriffen. Die beleuchteten Aspekte können vielleicht dazu beitragen, eine Diskussion über die Perspektiven antifaschistischer Arbeit anzuregen.

