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„Heldenehrung“ in Wunsiedel

Überregionale Beteiligung

Schließlich fuhren ca. 230 Neonazis nach Wunsiedel. Sie kamen unter anderem von der sachsen-anhaltinischen „Aktionsgruppe Weißenfels“, den baden-württembergischen „Autonomen Nationalisten Göppingen“, den thüringischen Gruppen „AN Weimar“ und „Bündnis Zukunft Hildburghausen“, von den sächsischen „AN Aue“ und der angeblich aufgelösten „RNJ Vogtland“ (Plauen) um Kevin Pahnke und Rico Döhler, aus Dortmund und aus dem oberöstereichischen Braunau. Zehn Neonazis um Lukaš Stoupa (Klášterec nad Ohří), Jiří Froněk (Karlovy Vary) und Ondřej Staník (Sokolov) reisten aus der Region Karlsbad in der tschechischen Republik an.

Mario Krausser (l.) und andere Aktivisten seines 'Fränkischen Heimatschutzes' (FHS).  Foto: a.i.d.a.
Mario Krausser (l.) und andere Aktivisten seines ‚Fränkischen Heimatschutzes‘ (FHS). Foto: a.i.d.a.
Aus den Kreisen des „Freien Netz Süd“, dessen Umfeld und ihm nahestehenden bayerischen Kameradschaften nahmen unter anderem der FNS-Homepageverantwortliche Roy Asmuß (Teising), Rainer Biller, Lautsprecherwagenfahrer Frank Müller und Christoph P. (Fürth) als Ordner und Pressebehinderer, Heiko Schiederer („Nationales Bündnis Niederbayern“), Robin Siener (Waffenbrunn-Ranwalting), Joshua W. (Weißenburg) und Mike Edling (Landau) teil.

Die größte angereiste Einzelgruppe stellte der „Fränkische Heimatschutz“ (FHS, Coburg) um seinen Gründer Mario Krausser. Auch der Coburger NPD-Funktionär Dietmar Döring hatte sich einen FHS-Kapuzenpullover mit dem „Schwarze Sonne“-Logo der SS angezogen und gehörte – ebenfalls in schwarz gekleidet – zur FHS-Gruppe. Auffällig wenige NPD-Funktionär_innen unterstützen die FNS-Aktion: Lediglich das oberpfälzische NPD-Landesvorstandsmitglied Heidrich Klenhart (Postbauer-Heng) und Kerstin Sager vom „Ring Nationaler Frauen“ (RNF) marschierten in Wunsiedel mit.

Aufgabenschwerpunkt einer ganzen Reihe bekannter FHS-Funktionäre und -Aktivisten war erneut die „Anti-Antifa“-Arbeit. Der führende unterfränkische Aktivist Marcel Finzelberg und Sebastian Schmaus, Michael Reinhardt und Stefan M. aus Nürnberg, Kai Andreas Zimmermann (Fürth) und Daniel Thönnessen (München) filmten und fotografierten von der Polizei ungehindert Medienvertreter_innen und Gegendemonstrant_innen, z. T. bedrängten sie diese auch körperlich. Neonazis attackierten bei der Zwischenkundgebung Journalist_innen, die für die Nürnberger Nachrichten aus Wunsiedel berichteten.

Die Neonazis aus dem Raum München reisten gemeinsam in einem Reisebus (aus dem Landkreis Pfaffenhofen) an, unter anderem waren die seit vielen Jahren führenden und bekannten Aktivisten Karl Heinz Statzberger,  Christian Adams und Vince Herczeg vor Ort. Es waren schließlich auch oberbayerische Neonazis, die das Fronttransparent des „Freien Netz Süd“ mit der Abbildung eines Wehrmachtssoldaten und der Parole „Tot sind nur jene die vergessen werden“ trugen: Matthias Klimt (München) und Stefan Willy Reiche (Geretsried), die bis vor kurzem in der oberbayerischen „Jagdstaffel D.S.T.“ führend wirkten sowie Franz Sedlbauer (München), zuletzt aktiv bei der mittlerweile in „AB Oberbayern“ umbenannten „Kameradschaft München Nord“.

Trommler an der Aufmarschspitze, dahinter das von oberbayerischen Neonazis getragene Fronttransparent des FNS.  Foto. a.i.d.a.
Trommler an der Aufmarschspitze, dahinter das von oberbayerischen Neonazis getragene Fronttransparent des FNS. Foto. a.i.d.a.
Dem Aufmarsch schritten zwei Trommler voran, darunter der aus Rheinland-Pfalz nach Ansbach verzogene Jan-Lukas G. Dahinter trugen mehrere Aktivist_nnen Kränze, unter ihnen Marcel Maderer („Aktionsbündnis Nordfranken“) und Vanessa Becker („Kameradschaft München“), sowie Thomas Huber das von den jährlichen, neonazistischen „Reinhold-Elstner-Mahnwachen“ in München bekannte Birkenkreuz mit Wehrmachtsstahlhelm. Auf den Kranzschleifen stand „Ewig lebt der Toten Tatenruhm“, „Sie starben für Uns – Wir leben für Sie“ (sic!) und, noch holpriger, „Im [sic!] Nibelungentreue unseren Kameraden ein ewig Gedenk“.

Während des Aufmarschs spielten die Neonazis über Lautsprecher einige Sätze aus dem Requiem von Johannes Brahms ab. Vermutlich hat sie der Titel „Ein deutsches Requiem“ dazu verleitet, der sich allerdings auf die von Brahms verwendete Sprache (mit der Betonung des nichtlateinischen Textes), nicht auf die Nation bezieht. Brahms hatte stets betont, gerade keine pathetische Trauermusik für die Toten geschrieben zu haben, sondern ein Werk in der Absicht christlichen Trosts. Die von Brahms verwendeten und von den Neonazis beim Marsch abgespielten Textzitate, unter anderem aus der biblischen Bergpredigt, stehen nationalsozialistischer Ideologie sogar diametral entgegen.

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