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Rechtsaußen-Verleger soll vor die Tür

Inning am Ammersee. Der rechtsextreme Verleger Gert Sudholt muss sich wohl bald neue Geschäftsräume suchen, denn er soll seine angemieteten Verlagsräume im Inninger Ortsteil Stegen verlieren. Nachdem zunehmend Beschwerden über den Rechtsaußen-Mieter in der ehemaligen Brauerei kamen und Künstler Auftritte absagten, will der Eigentümer nun den Rechts-Verleger per fristloser Kündigung vor die Tür setzen. Mit Sudholt muss dann auch ein Helfer weichen, der früher Regierungspräsident von Oberfranken war.

Vor sieben Jahren zog der 1943 geborene Sudholt mit seinen Verlagen in die externer Link"Alte Brauerei Stegen" ein, schrieb die Süddeutsche Zeitung am Freitag in ihrer Lokalberichterstattung. Damals habe er nicht gewusst, wen er sich da ins Haus holt, beteuert Paul Schneider, Eigentümer der heute gastronomisch und für Veranstaltungen genutzten ehemaligen Brauerei.

Sudholt hatte 180 Quadratmeter in dem Gebäude für seine Verlagsgesellschaft Berg angemietet, zu der der Türmer-Verlag, der Vowinckel-Verlag und als wohl bekanntester der Druffel-Verlag zählen, der 1952 vom stellvertretenden NSDAP-Reichspressechef Helmut Sündermann gegründet worden war. Wegen Volksverhetzung war Sudholt 1992 zu einer Haftstrafe von sechs Monaten und 1999 zu einer Bewährungsstrafe von vier Monaten verurteilt worden. Jahre lang störte sich offenbar niemand allzu sehr an Sudholts Gewerbe in der Alten Brauerei, doch zunehmend kamen kritische Anfragen von Künstlern, die dort auftreten sollten. Einen geplanten Auftritt sagte Hans Well von der Gruppe "Biermösl Blosn" wegen Sudholt gleich ganz ab.

In einem Brief an Freunde der "Alten Brauerei" bedauerte Eigentümer Schneider, dass er zu lange gehofft habe, "das Problem Dr. Sudholt" werde sich von alleine lösen. Nun hat Schneider schriftlich eine fristlose Kündigung für Sudholt angekündigt: "Der passt einfach nicht ins Haus", wird er von der Süddeutschen zitiert. Nun will Schneider außerdem, um ein Zeichen zu setzen, in seiner Galerie eine Ausstellung mit Karikaturen gegen Rechtsradikalismus durchführen.

Geschichtsrevisionismus als Geschäftsinhalt

Zuvor hatte Schneider dem rechten Verleger zwei Fragen gestellt: ob er den Holocaust leugnet und ob er Bücher von David Irving verlegt. Sudholt verweigerte Antworten, doch damit waren für Schneider die Würfel gefallen. Tatsächlich war Sudholt wegen Leugnung des Holocaust verurteilt worden, und auch in jüngerer Zeit widmete er sich nicht nur dem publizistischen Geschichtsrevisionismus, sondern darüber hinaus einem damit verbundenen Aktivismus etwa gegen den Nürnberger Prozess.

Im Mai 2006 ließ Sudholt in einer Vortragsveranstaltung eine Truppe rechtsextremer Geschichtsrevisionisten die brennende Frage diskutieren: "Wollte Adolf Hitler den Krieg?". Auf dem Podium saßen der ehemalige Bundeswehr-Generalmajor Gerd Schultze-Rhonhof, der Mitarbeiter der NPD-Landtagsfraktion Sachsen Olaf Rose, der jetzige Münchner Stadtratskandidat der rechtsextremen "Bürgerbewegung Pro München" Walter Post und der revisionistische Historiker Stefan Scheil. Als eine der bedeutendsten revisionistischen Publikationen in Deutschland gilt die von Sudholt herausgegebene zweimonatlich erscheinende Zeitschrift "Deutsche Geschichte".

Rechtsextremer Verleger in Schlüsselpositionen

Gegen die Kündigung der Verlagsräume kündigte Sudholt rechtliche Schritte an. Er sehe das ganz gelassen, sagte er der Süddeutschen und wollte keine weitere Stellungnahme abgeben. Noch vor wenigen Tagen hatte er in einem Brief an Schneider versichert: "Mein Verlagshaus, das Verlagsprogramm und auch der Inhaber stehen fest auf dem Boden des Grundgesetzes".

Das sehen nicht nur die Bundes-Verfassungsschützer anders, die Sudholt noch in ihrem letzten Jahresbericht für 2006 aufführen und das von seinem Druffel-Verlag bereits zum sechsten Mal als "Erlebnis-Wochenende Geschichte" organisierte Treffen als "feste Größe im rechtsextremistischen Veranstaltungskalender" bezeichnen. Neben seinen Verlags-Aktivitäten amtiert Sudholt auch als stellvertretender Vorsitzender der "Gesellschaft für freie Publizistik" (GfP), die 1960 maßgeblich vom NS-Pressemann Helmut Sündermann mitgegründet wurde und vom Verfassungsschutz als "größte rechtsextremistische Kulturvereinigung" bezeichnet wird. Gemeinsam mit dem GfP-Vorsitzenden und NPD-Bundesvorstandsmitglied Andreas Molau gehört Sudholt auch dem Vorstand der in Schweden ansässigen "Kontinent Europa Stiftung" an. Von 1988 bis 1990 war Sudholt zweiter Vorsitzender der "Rudolf-Heß-Gesellschaft".

Keine Bedenken gegen Sudholts politisch-publizistische Tätigkeiten hat auch ein Helfer, der ihn gelegentlich bei der Buchhaltung der Verlage unterstützt: "Ich fühle mich da in keiner Weise politisch belastet", sagte laut der Süddeutschen der 73-jährige Erich Haniel aus Starnberg, der in früheren Jahren Starnberger CSU-Kreisvorsitzender und von 1989 bis 1998 Regierungspräsident von Oberfranken gewesen war. Heute ist Haniel noch stellvertretender Landesvorsitzender des Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge.

[Der Artikel erschien erstmals am 13.01.08 auf redok.de. Die Veröffentlichung auf aida-archiv.de erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors]

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