Geschichtsrevisionist bei Münchner Burschenschaft Danubia

Am heutigen Freitag ist der Geschichtsrevisionist Gerd Schultze-Rhonhof (Buxtehude) zu einer geschlossenen Veranstaltung des Altherrenverbands der ultrarechten Münchner Burschenschaft in deren Haus in München-Bogenhausen eingeladen. Mit "Plädoyer für einen zeitgeschichtlichen Perspektivenwechsel" ist die Veranstaltung (Moderation: Bernd Kallina, Burschenschaft Danubia, NPD-Funktionär, Witikobund) nur schlecht getarnt, geht es doch um die in neofaschistischen Kreisen beliebte Leugnung der deutschen Schuld am 2. Weltkrieg.

In neofaschistischen Kreisen hat sich der frühere führende Bundeswehrgeneral Schultze-Rhonhof mittlerweile durch sein Buch "1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte" (damit wirbt auch der Danubia-Veranstaltungstext) einen Namen als Revisionist gemacht. In einem längeren Interview mit der "National-Zeitung" (DVU, München) äußerte er sich im April 2005 über die Zielgruppe seines Buches: "Ich habe das Buch vor allem für junge Menschen geschrieben. Die jungen Deutschen sollten wissen, was mit uns gespielt wurde und wird."  Die neofaschistische Presse ist voll des Lobes über Schultze-Rhonhofs Buch. Die NPD-Zeitung Deutsche Stimme hatte es im März 2004 bei ihren aktuellen Empfehlungen: "Eine Neudarstellung der Kriegsschuldfrage auf hohem Niveau. Der frühere Generalmajor der Bundeswehr kann auf deutscher Seite keine konkrete Kriegsplanung erkennen, dafür aber langjährige Kriegsziele des Auslands, die 1939 die Lage zum Eskalieren brachten." Auch antisemitische Mythen bedient Schultze-Rhonhof in diesem Buch, u. a. behauptet er, "... daß in den Jahren von 1933 bis 1938 557.000 Juden ihr polnisches Heimatland verlassen und Zuflucht im benachbarten Deutschland suchen..." und " ...strömen 557.000 polnische Juden von Ost nach West, um in Deutschland den Verfolgungen in Polen zu entkommen."
Schultze-Rhonhof war einer der Erstunterzeichner des Aufrufes "8. Mai 2005 – Gegen das Vergessen", der am 16. April 2005 in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als Anzeige, von ihm initiiert, erschien. Erstunterzeichner des "Aufrufes der Generale" waren auch die in der extremen Rechten aktiven früheren Brigadegeneräle Reinhard Günzel und Reinhard Uhle-WettlerGerd Schultze-Rhonhof ist Mitgründer der rechtslastigen "Arbeitsgemeinschaft 'Stimme der Mehrheit'" und steht dem rechtsextremen "Schulverein zur Förderung der Russlanddeutschen in Ostpreußen" nahe. Er ist regelmäßiger Autor und Interviewpartner der extrem rechten Wochenzeitung "Junge Freiheit".
Bei zahlreichen neofaschistischen, revisionistischen und revanchistischen Veranstaltungen tritt Gerd Schultze-Rhonhof auf. Der Kameradenverband des ehemaligen 1. SS-Panzerkorps lud ihn Ende April 2003 als Festredner zu einer konspirativ durchgeführten Veranstaltung und liess ihn die Kernaussagen seines Buches vorstellen. "Ich fühle mich als Nachkriegssoldat sehr geehrt, daß ich vor den letzten noch Lebenden einer Elite der Wehrmacht und der Waffen-SS sprechen darf." schmeichelte Schultze-Rhonhof in seiner Festrede am 16. Oktober 2004 in Hameln zur 50-Jahrfeier der Ordensgemeinschaft der Ritterkreuzträger. "Ich verneige mich vor Ihrer Lebensleistung" verkündete er pathetisch am Ende seiner Rede vor den Kriegsverbrechern.

Die vom Verfassungsschutz beobachtete Münchner Burschenschaft Danubia, bei der es im Herbst 2005 zu Festnahmen wegen neonazistischer Ausschreitungen kam, ist nicht die einzige Burschenschaft, die Schultze Rhonhof eingeladen hat: Schultze-Rhonhof war Referent am 18. Januar 2004 beim "Reichsgründungskommers" der Hamburger Burschenschaft Germania. Auch die Münchener Burschenschaft Arminia-Rhenania hatte Gerd Schultze-Rhonhof am 15.02.2005 zum Vortrag mit dem Titel: "1939 - Der Krieg der viele Väter hatte" eingeladen. Am folgendem Tag war er Gast bei der extrem rechten "Münchner Winterakademie" im übervollen Saal des Hotel Eden-Wolff am Münchner Hauptbahnhof. Was der General über das "Zusammenspiel von kapitalistischen und kommunistischen Juden hinter Roosevelt und Stalin denke", wollte ein junger Mann wissen. "Ich habe dazu natürlich meine Meinung, aber wenn ich die äußern würde, hätte ich das ganze Buch nicht veröffentlichen können", deutete Schultze-Rhonhof an und erntete dafür schallenden Applaus. Die Greifswalder Burschenschaft "Rugia" plante für den 24.11.2005 eine Vortragsveranstaltung in einem Hörsaal der Universität mit Schultze-Rhonhof. Der Vortrag wurde auf den Internetseiten der Burschenschaft mit "Der Krieg der viele Väter hatte" angekündigt.  Der Universitätsrektor untersagte der "Rugia" kurzfristig die Nutzung von Räumlichkeiten in der Universität für diesen Vortrag. Die Veranstaltung musste daraufhin in das Verbindungshaus der Burschenschaft verlegt werden.  

Vor nicht ganz zwei Wochen, am 6. Mai 2006 trat Gerd Schultze-Rhonhof erst in München auf: Vor 400 Alt- und Neonazis bei der neonazistischen Großveranstaltung "Wollte Adolf Hitler den Krieg?" von Gerd Sudholt (Verlagsgesellschaft Berg, Deutsche Geschichte, Druffel-Verlag etc.).

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