München: Neonazi-Keller aufgeflogen

Münchner Neonazis haben in den letzten Jahren regelmäßig versucht, eigene Räumlichkeiten anzumieten. Bei der Objektwahl waren sie dabei durchaus dreist, z. B. als sie im Jahr 2010 ihr "Kulturzentrum" in einem Gebäudeensemble einrichteten, in dem auch eine Polizeiinspektion untergebracht ist. Jetzt ist wieder eine Anmietung aufgeflogen: unter einem Wohnhaus im Westend.

Der Zugang zum Neonazi-Keller.  Foto: a.i.d.a.Der Raum

Seit März 2016 stand Münchner Neonazis aus den Kreisen von "Freies Netz Süd" und "Dritter Weg" ein Trefflokal im Westend zur Verfügung. Ein junger Elektriker hatte hier in einem Wohnhaus der Westendstr. 49 einen Kellerraum angemietet und, als er den Lagerraum nicht mehr benötigte, über einen weiteren Bekannten schlussendlich an den Münchner Neonazikader Thomas Sch. untervermietet. Als "Hobbyraum" wolle er ihn nutzen, habe dieser behauptet. Der nach eigenen Angaben getäuschte Elektriker will nichts vom Hintergrund seines Untermieters gewusst haben und auch keinerlei Verdacht geschöpft haben.

Thomas Sch. und die Münchner Neonazis hatten offenbar eine andere Nutzung im Sinn. Auch wenn ihnen zunächst wohl kaum mehr als 15 Quadratmeter zur Verfügung standen, wurde im Keller eine Art Kneipe eingerichtet, mit alkoholischen Getränken und einer Musikanlage. Ein Wehrmachtsstahlhelm soll als Dekoration gedient haben.

Neonazi-Treffen

Nach a.i.d.a.-Informationen haben sich zumindest ab April diesen Jahres mehrfach bis zu einem Dutzend Neonazis und Sympathisant_innen im Keller getroffen - vor allem am späten Abend unter der Woche oder an Sonntagen,  wenn die im Erdgeschoss befindlichen Ladengeschäfte geschlossen hatten. Die Hausbewohner_innen wollen von all dem nichts mitbekommen haben. Lediglich an "laute Musik" aus dem Keller oder "so schwarz gekleidete Security-Typen" vor dem Haus erinnern sich einige im Nachhinein.

Das Ende

Nach der polizeilichen Durchsuchung. Foto: Robert AndreaschAuch die Münchner Polizei will erst vor wenigen Tagen durch Veröffentlichungen, u. a. auf dem linken Open-Posting-Portal Indymedia, auf den Neonazi-Treff aufmerkamsam geworden sein. Die Behörden handelten daraufhin rasch: wegen des Verdachts auf Verstoß gegen das Gaststättengesetz und andere rechtliche Vorgaben durchsuchten Beamt_innen am Freitagmittag den Keller. Die Polizist_innen beschlagnahmten Waffen (drei Baseballschläger, 2 Pfeffersprays), neonazistische CDs ("Stahlgewitter", "Lunikoff"), Getränke, Gertränkepreislisten und -Kasse. Außerdem nahmen sie den Stahlhelm mit.

Der Vermieter kündigte noch vor Ort einen fristlosen Rausschmiss der Neonazis an - das Schloss ist schon ausgewechselt.

Aktuelle Meldungen

Hier finden Sie aktuelle Berichte über rechte Aktivitäten, Hintergrundrecherchen und Analysen sowie Neuigkeiten aus dem a.i.d.a.-Archiv.

Themenseite NSU

Hintergrundinformationen über den "Nationalsozialistischen Untergrund" (NSU) und den Fortgang des NSU-Prozesses in München sowie weiterführende Links und Informationen haben wir auf einer eigenen Themenseite zusammengestellt.

Rezensionen

Hinweise auf Bücher und Broschüren zum Weiterlesen und Vertiefen finden Sie in unserer Rubrik Rezensionen. Einige der dort vorgestellten Veröffentlichungen sind auch in unserer Bibliothek verfügbar.

Bücher