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22. Juli 2016

München. Am 5. Jahrestag des Massenmords des ultrarechten Attentäters Anders Breivik in Norwegen erschiesst der 18-jährige Ali David S. (München) im Bereich des McDonald’s-Restaurants sowie des Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) an der Hanauerstraße neun Menschen und verletzt fünf weitere schwer. Mehrere Stunden später tötet er sich selbst, als er von Polizeibeamten in einer Nebenstraße entdeckt wird. Bei S. wurden in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe jugendpsychiatrischer Diagnosen gestellt und in den Klassen fünf bis acht war S. durch Mitschüler_innen massiv gemobbt und zum Teil auch körperlich angegriffen worden.

Aber David S. war auch stolz, als Iraner und Deutscher „Arier“ zu sein. Er fluchte über „Kanaken“ und zeigte Sympathien für die AfD. Er schaute fasziniert Youtube-Videos des rechten Attentäters Anders Breivik an, der am 22. Juli 2010 auf der norwegischen Insel Utoya 69 linke Jugendliche erschossen und im Regierungsviertel acht Menschen durch einen Bombenanschlag getötet hatte. Ein Porträt Breiviks nutzte David S. als persönliches Profilfoto bei „Whatsapp“. S. hatte im Jahr 2015 ein zweiseitiges Manifest, verfasst; in dem es heißt, dass sein Stadtteil von „ausländischen Untermenschen“ und „Kakerlaken“ „infiziert“ sei, die er nun „exekutieren“ werde. Wie sein Vorbild Breivik hatte sich S. eine Pistole Glock 17 Generation 4 beschafft. Bei den Schießübungen mit der neuen Glock hatte sich S. gefilmt. Er rief vor der Kamera, die AfD werde die Deutschtürken ausschalten. Er schrieb, wenige Tage vor dem Attentat, sich selber Chatnachrichten: „Unsere Gegner sind jetzt Salafisten, Wirtschaftsflüchtlinge, Merkel“ und antwortete sich draufhin selbst mit „Du wirst alles stoppen und die AfD wird durch uns in die Höhe gepusht, die Salafisten werden in die Zielscheibe geraten“. Kurz vor dem Attentat legte S. ein Dokument mit dem Titel „Ich werde jetzt jeden Deutschen Türken auslöschen egal wer.docx“ an. S. ist auch Antisemit, schimpft oft über Israel und beleidigt Jüdinnen und Juden.

In der Öffentlichkeit soll das alles nicht bekannt werden. Monate lang wird von Politik und Behörden ausschließlich von einem „Amoklauf“ eines unter Mobbing leidenden Jugendlichen gesprochen. In einem öffentlichen Statement des LKAs zum Abschluss der Ermittlungen heißt es: „Es ist auch nicht davon auszugehen, dass die Tat politisch motiviert war“. Durch mehrere Anfragen der Landtagsabgeordneten Katharina Schulze (Bündnis 90/Grüne) und die stückweisen Antworten der bayerischen Staatsregierung bekommt diese Behauptung Risse. Im Oktober 2017 kommen die drei von der Stadt München bestellten Gutachter Matthias Quent, Christoph Kopke und Florian Hartleb zu dem Ergebnis, dass der Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum (OEZ) als politisch rechts motivierte Tat zu werten sei.

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