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Picknick mit den islamistischen Schwestern

Sie nennt sich „Hanna Hansen“ und vertritt antifeministische, queerfeindliche und verschwörungsideologische Positionen. Im Münchner Westpark veranstaltete die Influencerin nun ein „Schwesternpicknick“.

Von Benjamin Arnhoff



Das Picknick

Samstag, 19. September 2026: Die salafistische Influencerin Hanna Hansen macht im Rahmen einer bundesweiten Kampagne auch in München Halt. Ihrer Einladung zum „Schwesternpicknick“ folgen am Nachmittag rund 40 vorwiegend junge Frauen in den Westpark. 
Die ehemalige Profiboxerin hat die stationäre Versammlung auf einer Wiese beim Rosengarten offiziell beim KVR angemeldet. Zugleich kursiert ein KI-generierter Flyer auf Instagram, der die Veranstaltung recht harmlos mit der Überschrift „München — Islam als Halt. Religionsfreiheit, Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe muslimischer Frauen“ bewirbt.

Mit diesem Post bewarb Hanna Hansen ihre Versammlung in München auf Instagram.
Mit diesem Post bewarb Hanna Hansen ihre Versammlung in München auf Instagram. Screenshot: a.i.d.a.

Die Teilnahme am „Vortrag und inhaltlichen Austausch mit Hanna Hansen“ ist nur Frauen vorbehalten. Einige Männer haben vor dem Beginn Decken und Equipment für die Versammlung gebracht. Sie setzen sich, in Sichtweite des Picknicks, aber mit großem räumlichen Abstand, auf die Wiese.

Radikale Inhalte spart Hansen in ihrem Vortrag am Samstagnachmittag aus. Vielleicht, weil nur wenige Meter neben den Picknick-Decken auch mehrere Polizist_innen stehen. Sie spricht stattdessen über ihre Vergangenheit als DJ, als Model und als Profi-Sportlerin. Und davon, dass die Religion ihre „Rettung gewesen sei“, weil sie zunächst nie die „Würde in dieser Welt“, dann jedoch die „Erfüllung erst im Islam“ gefunden habe. Die Welt im Dualismus zwischen „Gut“ und „Böse“ und damals das alte, verwerfliche und sündige Dasein gegen das heutige, gottesfürchtige Leben als gläubige Muslima. Eine solche Gegenüberstellung ist für eine fundamentalistische Glaubensauslegung typisch.

Hansen trägt fast 90 Minuten lang vor. Danach dürfen auch ihre Zuhörerinnen Fragen stellen. Hansen scheint Frauen weit über die salafistische Szene hinaus erreicht zu haben. Längst nicht alle Anwesenden wirken streng religiös.

Die Ideologie

Hanna Hansen ist eine bekannte salafistische Influencerin. „Salafismus“, das bezieht sich laut der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) auf die ersten drei Generationen der Muslime (ca. 610-850 n. Chr.)., die als „as-­salaf aṣ-­ṣāliḥ“ bezeichnet werden, übersetzt also „die rechtschaffenen Vorfahren“ oder die „frommen Altvorderen“. Es geht um eine fundamentalistische Auslegung des Islam, die sich kompromisslos an den damals gültigen Gesellschafts- und Religionsvorstellungen orientiert. Man muss zwischen jihadistischem Salafismus und einem ideologischem/politischem Salafismus unterscheiden, der im Gegensatz zu ersterem auf Gewalt verzichtet. Nur rund 0,2 Prozent der Muslim_innen in Deutschland sind Anhänger_innen des Salafismus. Aber er gilt als die am schnellsten wachsende radikale Strömung im islamistischen Spektrum.

Frauen erfüllen im Salafismus, trotz einer grundsätzlich patriarchal geprägten Geschlechterordnung, zentrale Funktionen. Ihnen wird insbesondere die Verantwortung für Themen wie „Haushalt“, „Familie“ und „Kinder“ zugeschrieben. Auch die religiöse und ideologische Erziehung der Kinder, die zur Weitergabe salafistischer Ideologien an die nächste Generation beitragen soll. Außerhalb des familiären Umfelds sind Frauen nicht lediglich passive Anhängerinnen, sondern in unterschiedlichen Bereichen, wie etwa der Missionierungsarbeit, der Sammlung und Verwaltung von Spenden oder auch der Beziehungsarbeit in Schulen, Moscheen oder Kitas aktiv.

Salafismus in München

In München gibt es mehrere Moscheen, die als salafistisch eingestuft werden können, wie die „El-Salam“-Moschee in Mittersendling sowie die „Taufiq“-Moschee in Milbertshofen-Am Hart. Auch eine Moschee im Stadtteil Feldmoching-Hasenbergl hat in der Vergangenheit mehrfach einschlägige Prediger wie Amen Dali eingeladen. Für Frauen bietet das „Schwesternetzwerk München“ Vernetzung an. Im geschlossenen WhatsApp-Kanal sind fast 500 Mitglieder versammelt. Immer wieder werden hier Vorträge salafistischer Prediger beworben. Für junge Männer gab es in München in der Vergangenheit ähnliche WhatsApp-Gruppen, aber zur Zeit werden diese nur noch wenig bespielt.

Einige salafistische Aktivisten, die über das Internet sehr bekannt wurden, haben ihre Wurzeln in München. Ibrahim El-Azzazi beispielsweise, der sich heute in Mauretanien aufhalten dürfte und dessen Kanal „Weg der Sahaba“ auf YouTube ca. 5.200 Abonnent*innen hat. Oder Fabian Lawerenz in Saudi-Arabien, dessen Instagram-Account 17.200 Menschen folgen. Und der aus dem Großraum München stammende Anas U. alias „anas_islam_official“, der auf Tiktok ca. 87.000 Fans erreicht.

Hanna Hansen & München

Auch Hanna Hansen tritt am 19. September 2026 nicht zum ersten Mal in München auf. Im April 2024 war sie schon zum „Womansday“ (sic!) in der „Moschee der Zukunft“ sowie im Dezember 2024 in der „Alahibba-Moschee“ angekündigt. Eine Jugend- sowie eine Frauenorganisation der „Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş Moosach“ (IGMG Moosach) hatte Hansen für Juni 2025 gemeinsam als Referentin eingeladen. Nach kritischer Medienberichterstattung wurde damals die Veranstaltung abgesagt. Hansen war an diesem Wochenende trotzdem nach München gereist – und hat sich für ihre Follower_innen im Englischen Garten dabei gefilmt, wie sie eine Frau am Telefon bei der Konvertierung zum Islam begleitet.

Wer ist Hanna Hansen?

Hansen, mit bürgerlichem Namen Viktoria Stadtlander, wurde 1984 in Herford in Nordrhein-Westfalen geboren. Sie wuchs in Bad Oeynhausen auf, arbeitete als Model und DJ und gewann Preise als Kampfsportlerin. Nach dem Ende ihrer Boxkarriere im Dezember 2022 infolge einer schweren Augenverletzung wandte sich die Konvertitin zunehmend einer salafistischen Islamauslegung zu. Medienberichten zufolge ist Hansen mittlerweile mit dem verurteilten Terrorunterstützer Sven Lau liiert.

Die Welt der islamistischen Prediger wird traditionell von Männern dominiert. Hansen ist im deutschsprachigen Raum die einzige Frau, die in diesem Feld eine hohe Bekanntheit erreicht hat und damit ein relativ neues Phänomen. Die „Da’wa“, also die Missionierung für den Islam, ist ihr Schwerpunkt. Online treibt sie Spenden für den von ihr betriebenen Hilfsverein „Helfende Hand e.V.“ ein oder ruft zu Pilgerfahrten auf. Auch Hansen selbst ist schon nach Mekka und Medina gepilgert, der bekannte Salafisten-Prediger Abu Alia fungierte damals als offizieller Reisebegleiter.

Hansen erreicht Mädchen und Frauen vor allem über soziale Medien. Ihre religiösen Inhalte verbindet sie häufig mit Themen aus der Alltags- und Lebenswelt. Oft drehen sich die Reels zum Beispiel um den gesellschaftlich weit verbreiteten, antimuslimischen Rassismus, um mögliche Konflikte und Unsicherheiten im Privatleben nach einer Konversion oder um politische Debatten rund um das Kopftuch.

Die Positionen

Die Bekleidung beziehungsweise die Verschleierung von Frauen ist ein Thema, das viele gläubige Musliminnen beschäftigt und gesellschaftlich immer wieder im Fokus muslimfeindlicher Debatten steht. Und es bestimmt regelmäßig Hansens Inhalte auf Social Media. Für die Salafistin sind Frauen „kostbare Diamanten“, die es „zu schleifen“ gälte, damit sie noch schöner „strahlen“ und „glänzen“ würden, der von Allah „vorgeschriebene“ Hijab helfe dabei. An anderer Stelle, aber zum gleichen Thema, vergleicht Hansen Frauen schon auch einmal mit „Bonbons“ („Ein Bonbon in seiner Verpackung bleibt sauber.“) oder Äpfeln („Ein Apfel mit seiner Schale bleibt länger geschützt und fault nicht“.)

In anderen Videos raunt Hansen verschwörungsideologisch. Da suggeriert die Influencerin beispielsweise, dass der islamistische Anschlag auf den Berliner CSD vom 25. Juli 2026 eine geheime Aktion Israels gewesen sei. Im Zusammenhang mit dem CSD-Anschlag nimmt sie zudem Bezug auf die Erzählung des Propheten Lot im Koran, die im fundamentalistischen Diskurs oft zitiert wird, um LGBTIQ*-Feindlichkeit religiös zu rechtfertigen. Und die al-Qaida-Anschläge vom 11. September 2001 auf das World Trade Center in New York bezeichnet Hansen als „Inside Job“.

Im Juli und August 2026 durchsuchten Polizeibeamt_innen zwei Mal Hansens Wohnung. Sie soll ein rotes Dreieck, das auch von der Hamas zur Markierung ihrer Feinde genutzt wird, zusammen mit den Hashtags „#FreePalestine“ und „#Gaza“ gepostet haben. Sie selbst behauptet, lediglich das Logo eines Wasserherstellers online gestellt zu haben. Auf Instagram hat sie zudem einen Beitrag gerepostet, in dem der Krieg in Gaza als „schlimmer als der Holocaust durch Deutschland“ bezeichnet wurde.

„Weil es nur Frau und Mann gibt!“

Als eine Userin ihr online die Frage stellte, warum sie „so gegen LGBTQ“ sei, antwortete Hansen:

    „Weil es nur Frau und Mann gibt! Und weil, wir als Paare erschaffen wurden von Allah ta’ala. Nicht als mal so und mal so. Und wenn wir jetzt anfangen, Seine Schöpfung verändern zu wollen, ist gleichzusetzen mit Allah wäre fehlbar. (…) Wer sind wir also, uns unseren Neigungen hinzugeben. Sind wir ein bisschen stark und strengen uns an. Das sind Prüfungen, und wir leben in einer westlichen Ideologie die dieses auch noch befürwortet. Nicht um uns zu helfen, sondern um uns zu Abhängigen zu machen. Man sieht ja wo das ganze hingeht. Back to the roots bitte.“

Die feministische „Empowerment-Bewegung“, so Hansen in einem anderen Beitrag, habe „letztlich mehr Schaden als Nutzen gebracht“. Hansen nannte damals den Feminismus eine „korrupte Ideologie“:

    „Doch viele Menschen denken weiterhin, dass es ermächtigend ist, sich vor aller Augen zu entblößen. Wie töricht. Wie konträr zum gesunden Menschenverstand. Sie entblößen nicht nur ihren Körper, sondern zeigen sogar die intimsten Details ihres Privatlebens. Die sozialen Medien machen es immer einfacher, Fremde in die eigenen vier Wände zu lassen. Das ist das Gegenteil von Empowerment. Damit versklavt man sich selbst für die Augen anderer. Du überlässt ihnen den Schlüssel zu deiner Seele. Die eigene Privatsphäre ist für uns heute durch den Einfluss korrupter Ideologien, wie die des Feminismus, gründlich ausgehöhlt worden.“

Im März 2026 kommentierte Hansen die Kampagne, mit der Bill Kaulitz für Haarpflege-Produkte warb:

    „Diese Werbung ist verstörend. Es werden Grenzen von Natürlichkeit, Scham & klaren Rollenbildern bewusst verwischt. Gott hat uns erschaffen, als Mann und Frau. Dieses Durcheinander ist gezielte Vernichtung männlicher & weiblicher Identität. Syoss [die Kosmetikmarke, B. A.] = Zyoss of Israel“.

Hansens Lösung ist immer die gleiche: Die Scharia, das islamische Recht und die Gesamtheit aller religiösen und rechtlichen Normen des Islam, so sagt sie, sei „absolute Gerechtigkeit für alle Menschen“.

„Folgt nicht den Spuren des Shaytan!“

Hinter dem Prinzip der Emanzipation dagegen, erklärt Hansen auf dem sozialen Netzwerk „X“, stecke der Teufel („Shaytan“):

    • „Emanzipation ist die moderne Ideologie, Rebellion gegen die von Allah gesetzten Rollen, Verachtung von Ehe & Mutterschaft. (…) Emanzipation ist nicht das, warum wir da sind. Wir haben einen Mann und er soll Mann sein. Wir sind eine Frau und wir sollen Frau sein. Wenn wir darüber nachdenken, in Deutschland, vor wenigen Jahren, vor 50, 60, 70 Jahren. Wir hatten ganz normale klassische Rollenverteilung. Hätte man damals vor wenigen Jahren es den Menschen gesagt, was passieren wird, die hätten uns für verrückt erklärt. Und heute, wir können alles, wir wollen alles, wir müssen alles, wir sind frei, wir können machen was wir wollen. Aber das ist falsch. Das ist der Weg der Shaytan. Folgt nicht den Spuren des Shaytan!“

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Bildbeschreibung: Das Foto zeigt das Picknick im Westpark. Frauen und Kinder sitzen auf der Wiese. Hanna Hansen, schwarz gekleidet, kniet in der Bildmitte.

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