(A-) Braunau: Zeitgeschichte-Braunau-Tagung 2026 zum Thema „Braune Esoterik“. Im VAZ Braunau, Salzburger Straße 29B. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Details unter www.zeitgeschichte-braunau.at
Programm:
Freitag, 25. September 2026
19.30 Uhr
Eröffnung
Begrüßung durch eine Vertretung des Landes Oö, Bürgermeister Johannes Waidbacher und Vertreter:innen des Vereins für Zeitgeschichte
Podiumsgespräch mit Heidi Kastner, Gerichtspsychiaterin und Vorständin der Klinik für Psychiatrie am Kepler Universitätsklinikum Linz „Warum wir an Verschwörungen glauben – Psychologische Mechanismen von
Radikalisierung und rechten Weltbildern“
Moderation: Anna Goldenberg, Journalistin bei Falter und Die Presse
Samstag, 26. September 2026
9.00 Uhr
Stadtspaziergang
Führung zu historischen Orten in Braunau am Inn, gemeinsam mit Mitgliedern des Vereins für Zeitgeschichte. Treffpunkt: Stadtplatz Braunau, Fischbrunnen
10.30 Uhr
Das Geschäft mit Selbstoptimierung und Natürlichkeit: Aktuelle Erscheinungsformen der „braunen Esoterik“ im digitalen Raum
Judith Bodendörfer, Religionswissenschaftlerin, Historikerin und Referentin an der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen, Berlin
12.00 Uhr
Mythen auf der Spur, von der Aufklärung bis zum Nationalsozialismus: Historische Wurzeln moderner Verschwörungserzählungen
Claus Oberhauser, Historiker an der Pädagogischen Hochschule Tirol mit Schwerpunkt auf Verschwörungserzählungen
14.30 Uhr
Ökologie von rechts – Wie Natur- und Umweltschutz von der Neuen Rechten im Netz instrumentalisiert werden
Florian Teller, Religionswissenschaftler und Referent bei FARN – Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz, Berlin
16.00 Uhr
Podiumsgespräch:
Zwischen Sinnsuche und Radikalisierung: Heilsversprechen, gefährliche Weltbilder und autoritäres Denken im Alltag und auf Social Media
Ulrike Schiesser, Psychologin und Geschäftsführerin der Bundesstelle für Sektenfragen, Wien
Andreas Speit, Investigativjournalist und Buchautor mit Fokus auf Rechtsextremismus und Neonazismus, Hamburg
Moderation: Stefan Schlögl, Journalist und Leiter der Zeitgeschichte-Tage
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Wenn Sinnsuche in Extremismus mündet: Warum ziehen Verschwörungen Menschen bis heute in ihren Bann? Wie nutzen digitale Gurus soziale Medien, um Menschen zu beeinflussen? Und wie gelingt es der Neuen Rechten, über digitale Netzwerke in esoterische und ökologische Milieus vorzudringen?
Diesen Entwicklungen widmen sich die 33. Zeitgeschichte-Tage Braunau am 25. und 26. September im VAZ Braunau. Unter dem Titel „Verführt und verblendet. Braune Esoterik, Neue Rechte und die digitale Weltverschwörung“ diskutieren Expert:innen aus Zeitgeschichte, Religionswissenschaft und Psychologie über historische Wurzeln und aktuelle Erscheinungsformen eines Phänomens, das längst nicht mehr nur Randgruppen betrifft.
Digitale Radikalisierung
Der Bogen der Tagung reicht von Okkultismus, Spiritualismus und Naturmystik im Nationalsozialismus bis zu den „braunen Ökos“ der Gegenwart. Im Mittelpunkt stehen Verschwörungsglaube, digitale Radikalisierung und die Frage, wie rechte Bewegungen Verunsicherung und das Bedürfnis nach Orientierung im Netz für sich nutzen.
Den Auftakt bildet am Freitag ein prominent besetztes Abendpodium mit Heidi Kastner, einer der bekanntesten Gerichtspsychiaterinnen Österreichs. Die Bestsellerautorin von „Dummheit“ und „Feigheit“ geht der Frage auf den Grund, warum Menschen an Verschwörungen glauben, was sie daran fasziniert – und wie daraus Radikalisierung entstehen kann. Im Gespräch mit der Journalistin Anna Goldenberg eröffnet sie damit das zentrale Thema der Tagung.
Am Samstag bringt die Berliner Historikerin Judith Bodendörfer Licht in das dunkle Geschäft mit Selbstoptimierung, Natürlichkeit und „brauner Esoterik“ im digitalen Raum. Der Historiker Claus Oberhauser, ein Spezialist für die Geschichte von Verschwörungen, begibt sich auf die Spur politischer Mythen – von der Aufklärung bis zur Zeit des Nationalsozialismus. Der Religionswissenschafter Florian Teller beleuchtet, wie die Neue Rechte Natur- und Umweltschutz auch über soziale Medien für ihre Zwecke instrumentalisiert.
Ein Podiumsgespräch nimmt schließlich falsche Heilsversprechen und gefährliche Weltbilder in den Fokus: Ulrike Schiesser, Leiterin der Bundesstelle für Sektenfragen, berichtet aus dem Alltag Betroffener. Der Hamburger Investigativjournalist und Buchautor Andreas Speit gibt Einblicke in seine Recherchen in der rechtsextremen Szene und zeigt, wie antimoderne Reflexe die Gesellschaft immer weiter nach rechts rücken.
Wie immer bieten die Zeitgeschichte-Tage Raum für Fragen und Diskussionen im Zeichen einer wachen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und aktuellen Phänomenen. Erfahrungsberichte und Wortmeldungen aus dem Publikum sind ausdrücklich willkommen.
Zeitgeschichte macht Schule
Aufgrund der großen Nachfrage wird das Angebot 2026 ausgeweitet: Von 21. bis 23. September finden kostenlose Schulworkshops nicht nur im Bezirksmuseum Herzogsburg, sondern auch direkt an Schulen in der Region statt. Gemeinsam mit Vermittlerinnen des Hauses der Geschichte Österreich beschäftigen sich Schüler:innen aus Braunau und Umgebung mit regionalen zeithistorischen Themen. Erstmals können sie ihre Ergebnisse im Rahmen der Zeitgeschichte-Tage öffentlich präsentieren. Ermöglicht wird die Ausweitung durch die Unterstützung der LEADER-Region Oberinnviertel-Mattigtal.
Ausstellung „Hitlers Exekutive“
Zusätzlich kommt im Rahmen der Tagung die Ausstellung „Hitlers Exekutive. Die österreichische Polizei und der Nationalsozialismus“ von 18. September bis 23. Oktober nach Braunau.
Die Eröffnung am Freitag, 18. September 2026 wird durch ein Podiumsgespräch um 17 Uhr im RDZ Braunau eingeleitet, an dem Prof. Barbara Stelzl-Marx (Ludwig Bolzmann-Institut für Kriegsfolgenforschung), Vertreter des Innenministeriums und des Lern- und Gedenkortes Schloss Hartheim teilnehmen.
