Drücke "Enter", um den Text zu überspringen.

28. Oktober – 23. November 2019

Ulm: Ausstellung und Veranstaltungsprogramm „Grafeneck 1940 – Geschichte und Erinnerung“. Vom 28. Oktober 2019 bis 23. November 2019, Montag bis Freitag, 7.30 – 17.30 Uhr, im Landgericht, Foyer und erster Stock (Olgastr. 106).

Aus der Ankündigung des DZOKs:

Kranke und behinderte Menschen gehörten auch in Ulm zu den Verfolgten des Nationalsozialismus. Sie galten als „Belastung für die deutsche Volksgemein­schaft“. 1155 Menschen aus Stadt und Region, darunter auch sozial unange­passte, wurden auf Grundlage eines Beschlusses des Erbgesund­heitsgerichts Ulm gegen ihren Willen sterilisiert. Mindestens 184 Menschen, die aus Ulm stammten oder in der Landesfürsorge­anstalt Oberer Riedhof lebten, wurden in Tötungs-, Heil- und Pflegeanstalten als „lebensunwert“ ­ermordet. Die Opfer und ihre Angehörigen fanden nach 1945 kaum Unterstützung. Die Erinnerung an sie war über Jahrzehnte tabuisiert, ihre Namen sind bis heute weitgehend unbekannt.

Ulmer Bürger/innen setzten sich in einem Initiativkreis gemeinsam mit dem Dokumen­tationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK) und mit Unterstützung der Stadt Ulm, des Landes Baden-Württemberg und des Landgerichts für die Errichtung eines angemessenen und wür­digen Informations- und ­Gedenkorts ein. Das Erinnerungs­zeichen wird am 27. Oktober 2019 am Ulmer Land­gericht, dem ehemaligen Sitz des Erbgesundheits­gerichts, eingeweiht. Darüber hinaus geben DZOK und Stadtarchiv ein ­Gedenkbuch heraus. Ein vielfältiges Begleitprogramm bietet umfang­reiche Informationen. Es lädt dazu ein, sich mit ­Opfern, Tätern und Tatbeteiligten zu beschäftigen. Angehörige von Verfolgten kommen zu Wort. ­Erinnerungszeichen und Begleitprogramm sollen auch Anstoß sein, über den heutigen Umgang mit Behinderungen und Krankheiten nachzudenken und zu bekräf­tigen: Jeder Mensch ist gleich viel wert. Alle Veranstaltungen sind kostenfrei. Eine Ausnahme ist die Schreibwerkstatt.

EINWEIHUNG DES ERINNERUNGSZEICHENS FÜR DIE ULMER OPFER VON NS-ZWANGSSTERILISATION UND „EUTHANASIE“-MORDEN
Sonntag, 27. Oktober 2019, 11.00 Uhr, Landgericht Ulm, Olgastraße 106

Erstmalig wird in Ulm an die Opfer von NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden mit einem künstlerischen Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum erinnert. Das von Gerhard Braun (Braun Engels Gestaltung) entworfene Denkzeichen am historischen Tatort des ehemaligen Erbgesundheitsgerichts würdigt die Opfer und gibt Informationen zu Tätern und Tatzusammenhängen.

Mit dem Minister für Soziales und Integration Baden-Württemberg Manfred Lucha, Oberbürgermeister Gunter Czisch, Landgerichtspräsident Lutz-Rüdiger von Au, DZOK-Leiterin Dr. Nicola Wenge und dem ­Vertreter des Initiativkreises Dr. Mark Tritsch. Thomas Stöckle führt als Leiter der Gedenkstätte Grafeneck in die historischen Hintergründe ein.

Begleitend zur Einweihung im Landgericht Ulm
WANDERAUSSTELLUNG „GRAFENECK 1940 – GESCHICHTE UND ERINNERUNG“
28. Oktober 2019 bis 23. November 2019, Landgericht, Foyer und erster Stock, Montag bis Freitag, 7.30 – 17.30 Uhr.

Die Ausstellung zeigt Geschichte und Nachgeschichte der „Eutha­nasie“-Verbrechen in Grafeneck. Hier wurden 1940/41 über 10.000 Menschen ermordet, darunter über 140 Opfer aus Ulm. Zur Rolle des Erbgesundheitsgerichts Ulm im Zusammenhang der NS-Zwangssterilisationen erarbeiteten Land-/Amtsgericht, Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg (DZOK) und Gedenkstätte Grafeneck eine lokale Erweiterung. ­Einführung durch Thomas Stöckle und Dr. Nicola Wenge am 27.10. im Rahmen der Einweihungsveranstaltung.

Begleitprogramm
MITTAGSGESPRÄCHE AM ERINNERUNGSZEICHEN
Landgericht Ulm, Olgastraße 106, 13.11.2019, 11.12.2019 und 15.1.2020, jeweils mittwochs, 13.00 – 13.20 Uhr.
Mit unterschiedlichen Gesprächspartner/innen. Offen für alle.

SCHREIBWERKSTATT: VOM WERT MENSCHLICHEN LEBENS
Freitag, 27. September 2019, 14.00 – 17.00 Uhr und Samstag, 28. September 2019, 9.00 – 16.00 Uhr, Ulmer Volkshochschule.

Literaturdozentin Gabriele Welke sucht mit den Teilnehmenden schreibend nach Antworten auf die Frage, was uns die menschen­verachtenden „Euthanasie“-Morde während des Nationalsozialismus heute noch angehen. In der Schreibwerkstatt wird Geschichte verknüpft mit aktuellen Fragestellungen etwa zu Inklusion oder dem Umgang mit vermeintlicher Abweichung. Schreiberfahrungen sind nicht erforderlich. Anmeldung über die vh: 0731-15300 oder E-Mail: info@vh-ulm.de. Gebühr: 20 Euro.

GEDENKGOTTESDIENSTE
Sonntag, 3. November 2019, für alle Menschen jeden Glaubens offen.
Ökumenischer Gottesdienst der Evangelischen und Katholischen Gesamtkirchengemeinden Ulm: 9.30 Uhr, Münster.
Gedenkveranstaltung der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg: 15.00 Uhr, Synagoge. Anmeldungen für die Synagoge: irgw.ulm.synagogenfuehrung@gmail.com

PODIUMSGESPRÄCH MIT ANGEHÖRIGEN VON ULMER OPFERN DER „EUTHANASIE“-MORDE
Montag, 4. November 2019, 19.00 Uhr, Haus der Stadtgeschichte

Begrüßung: Prof. Dr. Michael Wettengel
Moderation: Dr. Nicola Wenge
Angehörige sprechen über die Biografien ihrer Familienangehörigen. Sie berichten darüber, was die Verbrechen für die nachfolgenden Generationen bedeuten und wie wichtig aus ihrer Perspektive ein offener Umgang mit dem erlittenen Unrecht ist.

Wissenschaftliche Vortragsreihe im Club Orange der Ulmer Volkshochschule
ERINNERN AN DIE PATIENTINNEN UND PATIENTEN / MEDIZIN DER NS-DIKTATUR – PATIENTENORIENTIERTE ERINNERUNGSARBEIT
Dienstag, 19. November 2019, 19.00 Uhr, Club Orange, Einsteinhaus

Prof. Dr. Florian Steger, Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin und Vorsitzender der Ethikkommission der Universität Ulm.
Seit einigen Jahren bemüht man sich, an Opfer der NS-„Euthanasie“ als Individuen zu erinnern, mit ihren Namen und individuellen Geschichten. Warum ist das wichtig und wo liegen dabei die ethi­schen Grenzen?

ZWANGSSTERILISATION VON SOZIALEN AUSSENSEITERN IM NATIONALSOZIALISMUS
Dienstag, 26. November 2019, 19.00 Uhr, Club Orange, Einsteinhaus.
Prof. Dr. Wolfgang Ayaß, Institut für Sozialwesen der Universität Kassel.
Im Nationalsozialismus wurden gesellschaftliche Außenseiter als „asozial“ abgestempelt und verfolgt. Sie wurden zwangssterilisiert, um „den gesunden Volkskörper zu schützen“. Später wurden sie in Konzentrationslagern eingesperrt, nicht wenige von ihnen wurden ermordet.

WIE KONNTEN ÄRZTE IM NATIONALSOZIALISMUS ZWANGSSTERILISATION UND KRANKENMORD VERANT­WORTEN?
(Doppelvortrag) Dienstag, 3. Dezember 2019, 19.00 Uhr, Club Orange, Einsteinhaus.
Ohne die Mitwirkung vieler Ärzte wären die systematische Zwangssterilisation von kranken und behinderten Menschen und später ihre systematische Ermordung nicht möglich gewesen. Wie konnte die ärztliche Ethik derart versagen?

Professionelle Täter in der NS-Psychiatrie – eine persönliche Reflektion
Prof. Dr. Thomas Becker, Ärztlicher Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie II der Universität Ulm, Bezirkskrankenhaus Günzburg.

Psychiater im Nationalsozialismus: Verhaltensweisen und Handlungsspielräume zwischen Heilen und Vernichten
Prof. Dr. Volker Roelcke, Gf. Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin der Justus-Liebig-Universität Gießen.

MEIN RECHT, DEIN RECHT = GLEICH BERECHTIGT?
Dienstag, 10. Dezember 2019, 19.00 Uhr, Haus der Begegnung.
Zum Tag der Menschenrechte wirft die Ergänzende Unabhängige Beratungsstelle für Menschen mit Behinderung (EUTB) einen Blick auf den Ist-Zustand der Gleichberechtigung von Menschen mit Behinderungen heute. Rückblicke, Einblicke und Ausblicke in ein Leben mit Beeinträchtigung und zur aktuellen Bedeutung der UN Behindertenrechtskonvention.

ICH BIN WIE ICH BIN. ONLINE-PRÄSENTATION ­EINES PROJEKTS DER KREATIV WERKSTATT ­TANNENHOF

Menschen mit geistiger Behinderung setzen sich künstlerisch auf ihre ganz individuelle Art und Weise mit der Erinnerung an die Zwangssterilisation und die Ermordung von behinderten Menschen im Nationalsozialismus auseinander. Die Bilder sind zu sehen unter:
www.behindertenstiftung-ulm.de/erinnerung

EXKURSION IN DIE GEDENKSTÄTTE GRAFENECK
Samstag, 11. Januar 2020, Abfahrt 10 Uhr ab Ulm, Rückreise 15 Uhr ab Grafeneck.

In Grafeneck begann im Jahr 1940 die sogenannte Aktion „T4“. In einem Jahr wurden hier 10.654 Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen ermordet. Heute befindet sich an diesem Ort eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die Opfer und gegen das Vergessen der Verbrechen. Die Gedenkstätte wird im Rahmen einer fachkundigen Führung besucht. Dr. Mark Tritsch und Martin König vom Ulmer Initiativkreis Erinnerungszeichen begleiten die Exkursionsgruppe. Anmeldung über die vh: 0731-15300 oder E-Mail: info@vh-ulm.de.

TAG DES GEDENKENS AN DIE OPFER DES ­NATIONALSOZIALISMUS – „REQUIEM“
Montag, 27. Januar 2020, 20.00 Uhr, St. Michael zu den Wengen.

Der Ulmer/Neu-Ulmer Arbeitskreis 27. Januar widmet das diesjährige Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus jenen Menschen aus Ulm, die wegen einer Krankheit oder Behinderung verfolgt und ermordet wurden. Das Vocal-Ensemble Hochwang unter der ­Leitung von Verena Schwarz singt u.a. Werke von Max Reger, Rudolf Mauersberger, Herbert Howells und Johann Sebastian Bach. Die Historikerin Dr. Sabine Presuhn moderiert den Abend.

PRÄSENTATION DES GEDENKBUCHS FÜR DIE ­ULMER OPFER VON NS-ZWANGSSTERILISATION UND „EUTHANASIE“-MORDEN
Donnerstag, 30. Januar 2020, 19.00 Uhr, Haus der Stadtgeschichte.

Das Gedenkbuch benennt auf Grundlage wissenschaftlicher For­schungen die Zahlen der Ulmer Opfer von NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden und enthält Kurzbiografien der Ermor­deten. Die Publikation verbindet individuelles Opfergedenken mit einer wissenschaftlichen Darstellung der historischen Hintergründe sowie der beteiligten Institutionen und Akteure auf kommunaler und ­Landesebene. Das Gedenkbuch wird von Stadtarchiv und DZOK gemeinsam herausgegeben.

Spenden zur Unterstützung des Gesamtprojekts:
Stiftung Erinnerung Ulm
Sparkasse Ulm
Verwendungszweck: Erinnerungszeichen
IBAN: DE98 6305 0000 0002 7207 04
BIC: SOLADES1ULM

Kontakt:
Dokumentationszentrum Oberer Kuhberg Ulm e.V. – KZ-Gedenkstätte
Büchsengasse 13, 89073 Ulm
Postfach 2066, 89010 Ulm
Telefon: 0731-21312
info@dzok-ulm.de
www.dzok-ulm.de

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen