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11. – 21. Juli 2019

Theater: „Kein Kläger. NS-Juristen und ihre Nachkriegskarrieren“. Ein interaktives Game im Stadtraum mit Zeitzeugnissen und Schauspielern. Uraufführung am Donnerstag, 11. Juli 2019 um 19.30 Uhr. Weitere Vorstellungen am 12.-14. Juli, 17.-19. Juli sowie 21. Juli 2019 um jeweils 19.30 Uhr.

Der Startpunkt im Stadtraum wird bei der Reservierung bekanntgegeben. Karten ab 15. Juni 2019 unter www.muenchenticket.de.

Bitte bringen Sie Ihr geladenes Smartphone und nach Möglichkeit
eigene Kopfhörer mit. Leih-Kopfhörer werden bei Bedarf bereitgestellt.
Für den etwa dreistündigen Rundgang mit MVG-Benutzung empfehlen wir
bequeme Schuhe und ein MVG-Ticket.

Achtung!Kein Kläger endet nicht am Startpunkt. Wir raten zur Anfahrt
mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Zeitzeugenvideos und Recherchematerial finden Sie ab dem 11. Juli
2019 unter http://investigativetheater.com/

„Kein Kläger“ ist der dritte Teil einer Trilogie von Christiane Mudra.
Nach „Wir waren nie weg – die Blaupause“ (2015, Exekutive) und „Off
the record – die Mauer des Schweigens“ (2016, Legislative) beleuchtet
„Kein Kläger“ die Bedeutung der Judikative.

Im Münchner Stadtraum trifft das Publikum auf Schauspieler*innen und
Augmented Reality Clips mit eigens für die Produktion interviewten
Zeitzeug*innen.
Kein Kläger beleuchtet Beispiele der Münchner Justizgeschichte und
regt den Zuschauer an, sich mit juristischer Aufarbeitung sowie mit
Errungenschaften und Schwächen des Strafrechts auseinanderzusetzen.

Durch die Rechtsbeugung des Richters Neithardt konnte der Putschist
Hitler bereits nach wenigen Monaten Haft in seinen Unterstützerkreis
zurückkehren. 1924 wurde die Nachfolgepartei der zeitweise verbotenen
NSDAP stärkste Kraft in München. 1943 verurteilte der Präsident des
Volksgerichtshofs Roland Freisler zahlreiche Mitglieder der Weißen
Rose in zwei Schauprozessen zum Tode. Seine in München wohnhafte
Witwe bezog bis in die 90er Jahre eine erhöhte Rente. Am Münchner
Oberlandesgericht waren nach 1945 Juristen von Sondergerichten und
Volksgerichtshof tätig. Der Prozess gegen Philipp Auerbach (1952)
trug antisemitische Züge und mündete in den Suizid des Angeklagten.
Theodor Maunz, der als Professor dem NS-Regime juristische
Legitimität zu verschaffen gesucht und die Gewaltenteilung zugunsten
der Führergewalt wegargumentiert hatte, wurde bayrischer
Kultusminister und Ordinarius an der LMU. Der Standardkommentar zum
Grundgesetz trägt bis heute seinen Namen.

Der Bundesjustizminister Engelhard schrieb 1989, er halte die Flucht
vor der Aufarbeitung des eigenen „geräuschlosen Abgleitens in den
Nationalsozialismus“ für „die Fehlleistung der bundesdeutschen
Justiz“. Der Bundesgerichtshof kritisiert in einem Grundsatzurteil
von 1995 mit scharfen Worten die „regelrechte Rechtsbeugung“ der
Nachkriegsjustiz.

Am 11. Juli jährt sich das Urteil im NSU-Prozess am Münchner
Oberlandesgericht zum ersten Mal. Prozessbeteiligte und -beobachter
fragen sich bis heute, warum das Gericht ausgerechnet bei den beiden
aktiven Rechtsextremisten unter den Angeklagten weit unter der
Strafmaßforderung der Bundesanwaltschaft blieb.
Verheerend war das Signal definitiv. Den Schlussakkord in einem der
wichtigsten Nachkriegsprozesse bildete selbst 2018 der johlende
Applaus der Neonazis, in den sich das Schluchzen der Hinterbliebenen
mischte.

Vor dem Hintergrund der genannten Beispiele untersucht „Kein Kläger“
exemplarisch Schauplätze, Urteile und juristische Karrieren, aber
auch Fälle von gelungener Aufarbeitung.
Im Zentrum von „Kein Kläger“ steht die Frage: Welche unverzichtbare
Rolle spielt(e) die Justiz der Vergangenheit, der Gegenwart und der
Zukunft bei der Eindämmung rechtsextremer und antisemitischer Gewalt?

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