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Der Bombenbauer von Weil am Rhein und die Münchner Neonaziszene

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Im badischen Weil am Rhein nahm die Polizei am Donnerstag den NPD- und JN-Aktivisten Thomas Horst Baumann fest, der nach Recherchen Freiburger AntifaschistInnen ein Sprengstoffattentat gegen das autonome Zentrum „KTS“ in Freiburg geplant haben soll. Mit Münchner Neonazis der „Freien Nationalisten München“ und der „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ war Baumann offensichtlich gut bekannt.

Weder Staatsschutzbeamte oder VerfassungsschutzmitarbeiterInnen waren es, die die militanten Neonazipläne aufgedeckt haben, sondern AntifaschistInnen! In einer Internetveröffentlichung und in einer bei der Polizei eingangenen Mitteilung hatten anonym agierende Antifa-AktivistInnen im Rahmen eines Outings der Lörracher Neonaziszene detailliert die massiven und gezielten Chemikalienbestellungen des JN-Kaders Thomas Horst Baumann offengelegt. Als es aufgrund der detaillierten Schilderung in der Antifa-Veröffentlichung zu einer polizeilichen Hausdurchsuchung beim Beschuldigten kam, wurden sowohl die in der anonymen Anzeige beschriebenen Sprengmittel wie auch die von den AntifaschistInnen beschriebenen Waffen prompt aufgefunden. Unter anderem hatte Baumann in Zusammenarbeit mit anderen Neonazis Calciumkarbid, Nitromethan, Schwefelsäure, Wasserstoffperoxid und Kalkammonsalpeter, ferngesteuerte Zünder, Rohrbombenteile sowie weitere Ausrüstung und Fachliteratur erworben. Mit den Chemikalien lassen sich u. a. die Sprengstoffe Triacetat-Triperoxid (TATP), Nitroglycerin, TNT sowie ANNM herstellen. Das Landeskriminalamt Stuttgart gab bekannt, dass allein die vorbereitete Rohrbombe eine Sprengkraft besaß, die 15 Menschen schwer verletzt oder getötet hätte.

Die Verbindungen nach München

Der 22-jährige Thomas Baumann, seit Juni 2009 Leiter des „Stützpunktes Lörrach“ der NPD-Jugendorganisation „Junge Nationaldemokraten“ (JN) war gut mit Münchner Neonazis bekannt. Dies zeigte sich nicht zuletzt dadurch, dass er beim NPD-Aufmarsch am 1. Mai 2009 in Ulm gar in den Reihen der Münchner Neonaziszene aufmarschierte.

Der mutmaßliche Bombenbauer Thomas Horst Baumann hinter dem Transparent der „Freien Nationalisten München“ (links, mit rotem T-Shirt). Vor ihm die „FNM“-Aktivisten Manuel Heine und Sven Grams, hinter ihm die Münchner NPD-Bundestagskandidatin Renate Werlberger (BIA).  Foto: Zacharias O. Gross

Auch beim eher regional beworbenen „Bayerntag“ der bayerischen NPD am 6. Juni 2009 in Straubing soll der militante Neonazi Thomas Baumann teilgenommen haben, was auf weitergehende Kontakte zur bayerischen Neonaziszene schließen lässt.

Münchner Neonazis und Bomben

Thomas Baumann, einst Zeitsoldat bei den Krisenreaktionskräften der Bundeswehr, soll mit den brisanten Sprengmitteln und den Waffen ein Attentat gegen das Freiburger autonome Zentrum „KTS“ geplant gehabt haben. Die bewaffneten Anti-Antifa-Aktivitäten von Neonazis im Raum Freiburg wecken in München Erinnerungen an das Jahr 2003, als der Neonazi Martin Wiese mit seiner „Kameradschaft Süd“ ebenfalls Waffen und Sprengstoff besorgte und sie eventuell zu Attentaten gegen Jüdinnen und Juden sowie AntifaschistInnen verwenden wollte. Viele Neonazis aus den Kreisen Wieses sind immer noch oder längst wieder in der Münchner Szene aktiv, Martin Wiese selbst wird im August 2010 aus der Justizvollzugsanstalt Bayreuth entlassen. Mehrfach hat er in der jüngsten Zeit für die Zeit nach seiner Entlassung ein politisches Comeback angekündigt.


 

 

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